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Glossar 

 

 

Apparatevermittelte Aufzeichnungen vs. subjektive Beschreibungen

                                                                                                                                                                                     "Für den Erfahrungswissenschaftler der sinnstrukturierten Gegenstandswelt sind grundsätzlich die Protokolle der Wirklichkeit, die aus apparatevermittelten Aufzeichnungen bestehen, den subjektiven Beschreibungen, Berichten und Feststellungen vorzuziehen, weil sie bezüglich der objektiven Bedeutung bzw. Sinnstrukturen dieser zu protokollierenden Wirklichkeit unselektiv bzw. in ihrer bloß technischen Selektivität indifferent sind." Oevermann (1997 a), S. 331
                                                           

 

Arbeitsbündnis 

Oevermann (1997b, S. 115ff. ) nennt für das Arbeitsbündnis der psychoanalytischen Therapie sechs Strukturmerkmale:

(1) Es wird ursprünglich gestiftet durch die Entscheidung des Patienten, sich in Behandlung zu begeben. Konstitutiv für das Arbeitsbündnis ist der Leidensdruck des Patienten, worin von Anfang an eine wichtige Bedingung der Gewährleistung seiner Autonomie besteht.

(2) Für die Durchführung des Arbeitsbündnisses gilt auf der Patientenseite die "Grundregel", die dem Patienten aufgibt, alles zu thematisieren, was ihm in den Sinn kommt, und zwar auch das, was scheinbar eher nebensächlich und unwichtig ist. Die Grundregel entspricht der Struktur der diffusen Sozialbeziehung, in der grundsätzlich alles thematisierbar ist.

(3)  Als Pendant zur Grundregel gilt für den Therapeuten die Abstinenzregel, die besagt, dass er die durch den Patienten auf ihn übertragenen Gefühle und Empfindungen nicht ausagieren darf, sondern sie als Folge der Übertragung pathogener Konstellationen der ursprünglichen sozialisatorischen Interaktionspraxis des Patienten auf ihn als diffusen Beziehungspartner lesen muss.

(4) Für Therapeut und Patient gilt grundsätzlich die widersprüchliche Einheit von spezifischen und diffusen Beziehungsanteilen in der Beziehung zwischen dem Patienten und dem Therapeuten. In dieser Hinsicht ist die Beziehung symmetrisch. Asymmetrisch ist die Beziehung dadurch, dass der Patient als Beschädigter kompetente Hilfe beim Therapeuten nachsucht (Leidensdruck), die dieser ihm nach den Regeln der ärztlichen Kunst bietet.

(5) Die Übertragung erfüllt das für die ärztliche Behandlung bezeichnende Modell der widersprüchlichen Einheit von Gift und Gegengift, von Heilung durch Verwundung im therapeutischen Eingriff. Die beim Therapeuten durch die Übertragung entstehenden Gegenübertragungsgefühle sind die Bedingung der Möglichkeit eines szenischen Verstehens der latenten Sinnstruktur dessen, was in der aktuellen Übertragungsinteraktion mit dem Patienten sich objektiv konstelliert.

(6) Die Einhaltung der Grundregel gelingt dem Patienten nicht von Anfang an. Ihre Einhaltung bedeutet nämlich schon eine Einsicht in verdrängte Konfigurationen und damit das, was mit dem Ziel der Therapie zusammenfällt . Die Therapie ist dann an ihr Heilungsziel gelangt, wenn die für das Arbeitsbündnis konstitutive Grundregel vom Patienten einschränkungslos erfüllt werden kann.


Im pädagogischen Arbeitsbündnis (Oevermann 1997b, S. 152ff.) ist das Äquivalent für den Leidendruck des Patienten die Neugierde und der Wissensdrang des Kindes. Die diffusen Komponenten der Sozialbeziehung bestehen darin, dass sich das Kind dem Lehrer in der Ungeschütztheit seines Nicht-Wissens als ganze Person anvertrauen kann, und der Lehrer  ihm komplementär hierzu einen Weg aufzeigt, wie es dieses Wissen erwerben kann. Grundsätzliche Voraussetzung dafür ist die Anerkenntnis des Kindes bezüglich seines Nicht-Wissens. Die Momente spezifischer Sozialbeziehung des Arbeitsbündnisses bestehen darin, dass der Lehrer auch für andere Kinder da sein muss, also sich nicht nur ausschließlich einem Kind widmen kann und das Lernprogramm nicht ausschließlich auf dessen individuelle Wissensneugier abgestellt sein kann, sondern bezüglich der Allgemeinheit der Sache von Erkenntnis ausgewiesen sein muss. Ein Lehrer kann mithin auf einen Schülerwunsch hin legitimerweise nicht nur über Bienen sprechen, wenn das Curriculum auch Elefanten und Nashörner als Lehrinhalte vorsieht. 


Ausdrucksgestalten (Texte / Protokolle)

„Der objektive Hermeneut betrachtet alle Daten der Erfahrungswissenschaften der sinnstrukturierten Welt (...) als Ausdrucksgestalten, die zum einen, unter dem Gesichtspunkt der von ihnen konstituierten objektiven Bedeutungsstrukturen oder latenten Sinnstrukturen als Texte gelten, und zum anderen, unter dem Gesichtspunkt der Ausdrucksmaterialität, in der sie gegeben sind und in Erscheinung treten, als Protokolle. Nun gilt angesichts dessen, daß von einem Protokoll die je in ihm verkörperte protokollierte Wirklichkeit selbst systematisch zu unterscheiden ist und – nebenbei bemerkt -  immer in zwei Teile zerfällt, nämlich zum einen in die protokollierte Wirklichkeit, um deren Vergegenwärtigung es dem Forscher geht, und zum anderen – selbstreferentiell – in das protokollierende Ereignis bzw. die protokollierende Handlung, die folgende grundsätzliche Grenze des methodologisch möglichen Zugriffs auf die erfahrbare Realität: Sie besteht in der Grenze des Protokolls selbst und der Protokollierbarkeit. Alles was nicht als Protokoll gegeben ist, also die protokollierte Wirklichkeit selbst in ihrem unmittelbaren Gegeben-Sein in der Gegenwart des Protokollierens, ist dem methodologisch relevanten Zugriff grundsätzlich entzogen. Empirisch beforschen können wir methodisch von der erfahrbaren Welt nur, was protokolliert worden ist. Die protokollierte Wirklichkeit selbst, die wir lebenspraktisch konkret im Hier und Jetzt des unmittelbar Gegebenen und Sich-Ereignens und –Vollziehens erleben, wahrnehmen und erfahren ist unserem methodisch-wissenschaftlichen direkten Zugriff grundsätzlich entzogen." Oevermann (2003), S. 6

                                                                                                                                                                                           

 

Autonome Lebenspraxis und Fallstrukturgesetzlichkeit

"Autonome Lebenspraxis konstituiert sich als solche (...) in dem notwendigen Vollzug von Wahlen aus den Möglichkeiten, die durch Regeln der Sozialität eröffnet wurden. Die Systematik der Auswahlen, ihr innerer Zusammenhang, konstituiert das, was wir eine Fallstrukturgesetzlichkeit nennen, jene Gesetzlichkeit also, die die Autonomie einer Lebenspraxis material füllt und die systematisch von extern die Lebenspraxis bestimmenden Gesetzmäßigkeiten zu unterscheiden ist, wie sie die kausalanalytische Betrachtungsweise ausschließlich kennt." Oevermann (1993), S. 253

"Fallstrukturgesetzlichkeiten sind auch insofern objektive Gebilde, als sie keinesfalls, selbst im Grenzfall nicht, vollgültig von der Subjektivität des Falles repräsentiert und in ein authentisches Selbstbild aufgehoben worden sind. Das Bild eines Falles beziehungsweise einer Lebenspraxis von sich selbst ist systematisch von der Fallstrukturgesetzlichkeit zu unterscheiden. Während diese dem Bewußtsein des Falles von sich selbst mehr oder weniger stark verborgen bleibt, ist jenes als subjektiv verfügte Individualität mehr oder weniger authentisch, das heißt mehr oder weniger verzerrt." Oevermann (1993), S. 255


 

Autonomie der Lebenspraxis

"Die Autonomie der Lebenspraxis konstituiert sich (...) als notwendig widersprüchliche Einheit von Entscheidungszwang und Begründungsverpflichtung. Widersprüchlich ist diese Einheit deshalb, weil der Entscheidungszwang sich genau daraus ergibt, daß eine Begründbarkeit aktuell nicht realisierbar ist, aber dennoch die Verpflichtung dazu nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben ist." Oevermann (2000), S. 131


 

Fallkonferenzen /Supervisionen

"Fallkonferenzen dienen nicht nur der Lösung eines aktuellen Behandlungsproblems, sondern auch der kollektiven, kollegialen Weiterbildung von Therapeuten anhand exemplarisch thematisierten Fallmaterials. Sie sind so etwas wie eine Supervision ohne Supervisor und damit der Supervision eng verwandt. - Supervisionen sind (...) Kontrollen darüber, daß ein berufliches Handeln wie die Therapie, für die die Arzt-Patient-Beziehung selbst entscheidend ist, ein Handeln also, das nicht in einem determinierten und damit programmierbaren technischen Ablauf besteht, sondern dem Geiste nach ein idealtypisches Modell fallspezifisch konkret und offen je angemessen realisieren soll, nicht in falsche Routinen oder angesichts der spezifischen Problematik konkreter Fälle in unbemerkte Abweichungen vom idealtypischen Modell abgleitet. Die Kompetenz im Sinne des Bewußtseins vom idealtypischen Modell muß immer wieder aufgefrischt werden." Oevermann (1993), S. 162


 

Fallrekonstruktionen/Fallbeschreibungen

"Fallrekonstruktionen stehen im Gegensatz zu Fallbeschreibungen und sind innerhalb der objektiven Hermeneutik der wesentliche Modus der Strukturgeneralisierung, einer Logik der Verallgemeinerung, zu der die empirische Generalisierung als ein Spezialfall kontrastiert." Oevermann (2000), S. 58

"Die Unterscheidung von Fallbeschreibung und Fallrekonstruktion folgt der grundlegenden, paradigmatischen Unterscheidung einer subsumtionslogisch und einer rekonstruktionslogisch verfahrenden Erfahrungswissenschaft. Fallbeschreibungen sind letztlich nichts anderes als das Ergebnis der Subsumtion eines konkreten Erfahrungs- bzw. Erkenntnisgegenstandes, eines Einzelfalles unter einen Satz von vorweg selegierten und bereitgestellten klassifikatorischen Allgemeinbegriffen." Oevermann (2000), S. 61 

"Die Fallrekonstruktionen explizieren (...) die historisch konkreten Fälle nicht nur trivial im Hinblick auf ihre objektiv gegebene Individualität, sondern schließen mit der Fallstrukturgesetzlichkeit das 'Innere', den inneren Gehalt dieser Individualitä als je einzigartige Subjektivität auf. Aber darin erfasssen sie zugleich das diese Besonderheit sowohl erklärende wie erzeugende Gesetzes-Allgemeine." Oevermann (2000), S. 74 

"Für die Fallrekonstruktion existiert kein wirklicher Unterschied zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung, weil sie sich in beiden Fällen der Analyse von Einzelfällen bedient und sie zur Basis ihrer Strukturgeneralisierung macht." Oevermann (2000), S. 127


 

Habitus (ärztliche Profession)

"Die Produktion ärztlich richtiger Entscheidung ist nicht die Funktion einer Theorie, sondern des ärztlichen Habitus für eine gelingende Praxis. Die ärztliche Profession ist also einer der Strukturorte, an denen sich die Vermittlung von Theorie und Praxis, in sich praktisch, vollzieht; sie bezieht daraus, analog zur Lebenspraxis selbst, die Notwendigkeit ihrer Autonomie nicht nur von administrativer Kontrolle, sondern auch von theoretischer Bevormundung bzw. von subsumtionslogischer Methode." Oevermann (1997 a), S. 284f.


 

Krankheit

- Individuierungs- und Traumatisierungsgeschichte - Erfordernis fallspezifischen ärztlichen Verstehens 

"Krankheit ist jeweils das Maß an Gesundheit, das ein konkretes Leben im Zusammenhang seiner konkreten Individuierungsgeschichte - und das ist immer auch: Traumatisierungsgeschichte - maximal erreichen konnte, und der Arzt muß deshalb diese Krankheit aus ihrer lebensgeschichtlichen Motiviertheit heraus fallspezifisch verstehen." (Oevermann (o.J.: Brauchen wir ...), S. 7


 

Krise und Entscheidung

"Entscheidungssituationen, die diesen Namen verdienen, sind aus der Sicht des vorausgehenden Begriffs von Lebenspraxis zugleich immer Krisensituationen im Sinne der Unbegründbarkeit einer notwendig mit Anspruch auf Begründbarkeit auftretenden Entscheidung." Oevermann (2000), S. 132 

  

 

Krise vs. "stress" (menschliche Subjektivität vs. animalische Existenz)

"Die menschliche Subjektivität unterscheidet sich eben von der animalischen Eistenz genau dadurch, daß sie über den 'stress' hinaus, den auch Tiere haben, in Krisen geraten kann. Das kann man nämlich nur dann, wenn man die hypothetische Realität einer Zukunft antezipieren kann und damit ihre grundsätzliche Offenheit im Kontrast zum faktischen Hier und Jetzt und zur Vergangenheit als Vollzug zu gewärtigen hat." Oevermann (o.J.: Brauchen wir heute noch...), S. 6


 

Kulturindustrielle Werke vs. autonome Kunst

"Werke sind genau dann kulturindustriell, wenn sie durch Subsumtion unter ein vorgefaßtes, feststehendes Schema bzw. eine entsprechende Erzeugungsoperation entstanden bzw. produziert sind, wie bei der Serien- oder Massenproduktion, und der Umgang mit Werken der autonomen Kunst ist genau dann kulturindustriell, wenn die Rezeption durch Subsumtion unter ein vorgefaßtes, feststehendes System von Interpretationsregeln erfolgt." Oevermann (1996), S. 98 


 

Künstliche Naivität und Kontext- bzw. spezifisches Vorwissen

"Für die Sequenzanalyse der objektiven Hermeneutik ist kennzeichnend, daß ein mögliches spezifisches Vorwissen über den zu analysierenden Gegenstand beziehungsweise Fall methodisch bewußt und kontrolliert ('in künstlicher Naivität') ausgeschlossen wird, soweit es um die Begründung von Lesarten und Interpretationen geht. Forschungspsychologisch ist für die Generierung von Lesarten alles willkommen. Bei der Begründung der Geltung einer Interpretation ist jedoch einzig und allein die objektive Kompatibilität mit dem vorliegenden Text nach geltenden bedeutungsgenerierenden Regeln maßgeblich." Oevermann (1993), S. 142

"Die objektive Hermeneutik trennt strikt zwischen einem Vorwissen  in Gestalt eines Wissens oder eines Bewußtseins von gegenstands- beziehungsweise fallübergreifenden bedeutungserzeugenden Regeln analog zu einem Algorithmus einerseits und einem Vorwissen in Gestalt eines fall- beziehungsweise gegenstandsspezifischen historisch oder kulturell konkreten Kontextwissens." Oevermann (1993), S. 262

"Während (...) das Vorwissen über fallübergreifende bedeutungserzeugende Regeln und das Wissen über den sequenzanalytisch intern erschlossenen inneren Kontext einer Protokoll-Stelle objektiv hermeneutisch notwendig sind, ist das Wissen  über den äußeren Kontext strikt zu vermeiden, jenes Wissen also, das gewöhnlich im hermeneutischen Zirkel der klassischen Nachvollzugshermeneutik im Zentrum steht. Diese Vermeidung vorgängigen Wissens nenne ich die methodisch kontrollierte Herstellung künstlicher Naivität, mit der wir als Soziologen die uns praktisch vertrauten Gegenstände auf die Distanz des Fremden bringen, um sie in dieser Distanz strukturanalytisch aufschlußreicher sehen zu können, statt sie nur in der Binnenperspektive der Praxis, die es gerade zu analysieren gilt, gehaltlos zu paraphrasieren." Oevermann (1993), S. 264

"Zum 'äußeren' Kontext gehört schlicht alles, was im Text selbst nicht mitgeteilt oder markiert ist, mithin auch nicht Gegenstand einer expliziten methodisch kontrollierten Rekonstruktions-Operation sein kann." Oevermann (1996), S. 124

"Man unterscheidet in der objektiven Hermeneutik strikte zwischen der 'Entdeckung' einer Lesart und der Begründung ihrer 'Geltung', andernfalls würde man von vornherein hoffnungslos zirkulär. Um auf eine mit dem zu interpretierenden Text kompatible Lesart zu kommen, sind natürlich alle Hinweise und Informationsquellen willkommen, ist die Benutzung jeglicher Hilfsmittel erlaubt. Das aus dem Fachwissen eines Interpreten stammende Kontextwissen in Gestalt von Theorien, Modellen oder Interpretationstraditionen ist hier nur eine Quelle unter vielen anderen und spielt als Theorie oder Methode keine herausgehobene Rolle." Oevermann (1996), S. 99f.


 

Lesarten

"Für die objektive Hermeneutik ist naturgemäß die systematische Differenz zwischen mit dem zu analysierenden Text kompatiblen und inkompatiblen Lesarten als erste entscheidend. Bezüglich dieser Differenz beansprucht die objektive Hermeneutik, daß Strittigkeiten im Prinzip sich in jedem Falle eindeutig klären lassen, wenn man auch den Klärungsprozeß in manchen Fällen aufwendig führen muß. Ebenso wichtig ist in der objektiven Hermeneutik eine wenig beachtete Unterscheidung innerhalb des Klasse der mit einem Text kompatiblen Lesarten. Hier gibt es a) solche, die durch eine im Text lesbare, sichtbare, fühlbare oder hörbare Markierung erzwungen werden und b) solche, die unerzwungen vom Interpreten hinzugefügt werden und von denen dann gesagt werden muß, daß ihre Behauptung einen Sachverhalt treffen kann, aber nicht muß. Diese letzteren Lesarten hat der objektive Hermeneut strikte zu meiden, denn sie schließen am Text nichts auf." Oevermann (1996), S. 103


 

Methodische Operation der Sinnauslegung

"Unabhängig davon, um welche objekttheoretischen Fragestellungen es in einer konkreten soziologischen Untersuchung, in der mit den Verfahren der objektiven Hermeneutik gearbeitet wird, jeweils geht, bilden für die strukturale Hermeneutik die objektive Bedeutungsstruktur einzelner Handlungen oder Äußerungen oder die latente Sinnstruktur einer Sequenz von Äußerungen oder Handlungen, so wie sie in den primären Daten dieser Methodologie: den Protokollen von Äußerungen und Handlungen vorliegen, immer den primären Gegenstand der methodischen Operation der Sinnauslegung. Jede wissenschaftlich begründete Analyse von Gegenständen in der sinnstrukturierten Welt der Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften, also der Humanwissenschaften insgesamt, muß, so die Implikation dieser These, methodisch ihren Ausgang von der stringenten Auslegung der objektiven, latenen Sinnstruktur der Texte nehmen, in denen die interessierenden Phänomene oder interessierenden Untersuchungsgegenstände protokolliert sind." Oevermann (1986), S. 22


 

Methodisches Verstehen

Beim methodischen Verstehen macht man es sich entsprechend zur Aufgabe, in einem möglichst lückenlosen Erschließungsverfahren den objektiven Sinn von Äußerungen zu rekonstruieren. Man simuliert sich im Stande der künstlichen Naivität gegenüber einem Gegenstand, indem man das umgangssprachlich Prädizierte zum Gegenstand X der Analyse macht und es gedankenexperimentell in Frage stellt, also in methodischer Absicht die bewährte Routine des Gelingens in die Krise des Scheiterns stellt. Vgl. Oevermann: „Das Verstehen des Fremden als Scheideweg". In: ZBBB 1, 2001, S. 78 f.


Im Sinne dieser Logik kommt es dann bei einer Fallrekonstruktion darauf an, die P.s der Umgangssprache als X.e der methodischen Analyse hinsichtlich ihrer objektiven Bedeutungsstruktur zur Sprache zu bringen und durch den Vergleich zwischen den objektiven Bedeutungsstrukturen der P.s und deren subjektiven Bedeutungen für die Analysierten die Sache zum Sprechen zu bringen. Vgl. Oevermann: „Fallrekonstruktion und Strukturgeneralisierung als Beitrag der objektiven Hermeneutik zur soziologisch-strukturtheoretischen Analyse“. Ms. Frankfurt am Main 1981, S. 4

 


 

Objektive bzw. latente Sinnstrukturen

"Gegenstand der Sinnauslegung in der objektiven Hermeneutik sind - bezogen auf einzelne Äußerungen oder Handlungen -objektive Bedeutungsstrukturen beziehungsweise - bezogen auf Seuquenzen von Handlungen oder Äußerungen - latente Sinnstrukturen. Diese Gegenstände werden als objektiv beziehungsweise latent bezeichnet, weil sie einerseits, ganz analog zum Objektivitätsbegriff in den Naturwissenschaften, durch methodische Operationen als objektiv gegebene Realitäten unstrittig nachweisbar sind, und andererseits als solche nicht an eine bewußtseinsmäßige Repräsentanz ontologisch gebunden sind." Oevermann (1993), S. 249
 
"Mit der Bezeichnung latent soll die logisch-analytische Unabhängigkeit der latenten Sinnstrukturen von ihrer manifesten Realisierung im Bewußtsein eines konkreten Autors oder Rezipienten ausgedrückt werden." Oevermann (1993), S. 249 f.

"Unabhängig davon, um welche objekttheoretischen Fragestellungen es in einer konkreten soziologischen Untersuchung, in der mit den Verfahren der objektiven Hermeneutik gearbeitet wird, jeweils geht, bilden für die strukturale Hermeneutik die objektive Bedeutungsstruktur einzelner Handlungen oder Äußerungen oder die latente Sinnstruktur einer Sequenz von Äußerungen oder Handlungen, so wie sie in den primären Daten dieser Methodologie: den Protokollen von Äußerungen und Handlungen vorliegen, immer den primären Gegenstand der methodischen Operation der Sinnauslegung. Jede wissenschaftlich begründete Analyse von Gegenständen in der sinnstrukturierten Welt der Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften, also der Humanwissenschaften insgesamt, muß, so die Implikation dieser These, methodisch ihren Ausgang von der stringenten Auslegung der objektiven, latenen Sinnstruktur der Texte nehmen, in denen die interessierenden Phänomene oder interessierenden Untersuchungsgegenstände protokolliert sind." Oevermann (1986), S. 22


 

Professionalisiertes Handeln

"Professionalisiertes Handeln ist wesentlich der gesellschaftliche  Ort der Vermittlung von Theorie und Praxis unter Bedingungen der verwissenschaftlichten Rationalität, das heißt unter Bedingungen der wissenschaftlich zu begründenden Problemlösung in der Praxis." Oevermann (1997 b), S. 80


 

Professionalisierte Krisenbewältigung

"Die professionalisierte Krisenbewältigung selbst ist eine wissenschaftlich begründete Routine. Aber sie ist in sich, jedenfalls als Praxis in einem Arbeitsbündnis, immer mehr als das: als Praxis der Risikoabwägung ist sie, gerade weil sie sich methodisch an der Logik des besseren Argumentes als wirksame Routine messen lassen muß, hoch krisenanfällig und muß sich deshalb ständig zum Gegenstand einer supervisorischen Rekonstruktion und Vergewisserung dieser in sich krisenhaften Routine machen." Oevermann (2000), S. 135 f.


 

Protokoll und Text (siehe auch Ausdrucksgestalt)

"Wir unterscheiden in unserer Rede 'Protokoll' und 'Text' nicht grundsätzlich begriffllich, sondern eher terminologisch, weil wir damit zum Ausdruck bringen wollen, daß im ersteren Fall das methodentechnische Problem der Erzeugung von Protokollen einer zu untersuchenden konkreten sozio-historischen Wirklichkeit im Blick ist, während im zweiten Falle es um die grundsätzliche Bestimmung der methodologischen Operationen im Gegenstandsbereich der sinnstrukturierten Welt geht." Oevermann (1986), S. 48

"Ausdrucksgestalten betrachtet die objektive Hermeneutik unter dem doppelten Gesichtspunkt von Protokoll und Text. Unter Protokoll verstehe ich die ausdrucksmateriale, sinnlich wahrnehmbare Gegebenheit von Ausdrucksgestalten, also die Ausdrucksmaterialien, in denen die Praxisformen ihre Spuren, Überreste oder sonstigen Objektivationen hinterlassen haben. Die Ausdrucksmaterialien können von der formalisierten Versprachlichung bis zur leibgebundenen Expression reichen. Auch körperliche Symptome, vor allem in Psychosomatosen, Werkzeugspuren, handlungsbedingte Einwirkungen auf die Dingwelt, Eindrücke in stoffliche Materialien, durch humanes Leben bedingte Umweltveränderungen gelten als Protokolle von Lebenspraxis, die auf ihre Sinnträgerschaft hin gelesen werden können. Auf der Ebene von Ausdrucksmaterialien ist die Sprache beziehungsweise die Form der Versprachlichung ein Ausdrucksmittel unter vielen anderen."  Oevermann (1993), S. 257


 

Rollenförmige institutionalisierte / diffuse primäre Sozialbeziehungen

"Nicht die rollenförmigen institutionalisierten Sozialbeziehungen konstituieren das Grundmodell von Sozialität, sondern die diffusen primären Sozialbeziehungen innerhalb des familialen Interaktionssystems." Oevermann (1986), S. 58

"Schon in Talcott PARSONs System der 'pattern variables', dem ich die begriffliche Unterscheidung von spezifischen und diffusen Sozialbeziehungen entleihe, war die Rede von 'diffusen Rollenbeziehungen' ein Widerspruch in sich, weil sich die Definitionen von Diffusität und von Rolle gegenseitig ausschließen. Instruktiv ist denn auch, daß LUHMANN immer dann, wenn er kleine soziale Systeme und Phänomene wie Liebe sysstemtheoretisch analysiert, zu erkennen geben muß, daß er zwischen so diametral strukturlogisch entgegengesetzten sozialen Ereignistypen wie dem 'social encounter' zwischen Fremden und der Handlungslogik diffuser Sozialbeziehungen in sozialisatorischen Interaktionssystemen die soziologisch fundamentale Differenz kategorial nicht machen kann und so auch in diesem gesellschaftlichen Bereich die degenerativen technokratischen Erscheinungsformen, in denen Familienhandeln tatsächlich nach dem Modell von 'social encounters', gewissermaßen nach dem Muster von Saunabesuchen abläuft, systemtheoretisch ontologisiert." Oevermann (1986), S. 82


 

Selbstbild versus Fallstrukturgesetzlichkeit

"Das Bild eines Falles beziehungsweise einer Lebenspraxis von sich selbst ist systematisch von der Fallstrukturgesetzlichkeit zu unterscheiden. Während diese dem Bewußtsein des Falles von sich selbst mehr oder weniger stark verborgen bleibt, ist jenes als subjektiv verfügte Individualität mehr oder weniger authentisch, das heißt mehr oder weniger verzerrt." Oevermann (1993), S. 255


 

Sequenzanalyse

"Die Sequenzanalyse geht von der elementaren Feststellung aus, daß alle Erscheinungsformen von humaner Prraxis durch Sequenziertheit strukturiert bzw. konstituiert sind. Darunter wird hier nicht die triviale Form von Temporalisierung im Sinne eines zeitlichen Nacheinanders verstanden, sondern der nicht-triviale Umstand, daß jegliches Handeln und seine kulturellen Objektivierungen qua Regelerzeugtheit soziales Handeln sind. Und Regelerzeugung impliziert, daß die auch temporal sich manifestierende Sequentialität nicht auf ein Ursache-Wirkungs-Bedingungsverhältnis, sondern eine sinnlogische Grund-Folge-Beziehung zurückgeht - analog zu einem Algorithmus im Sinne einer rekursiven Funktion. Regelerzeugung bedeutet in sich Sequenzierung. Jedes scheinbare Einzel-Handeln ist sequentiell im Sinne wohlgeformter, regelhafter Verknüpfung an ein vorausgehendes Handeln angeschlossen worden und eröffnet seinerseits einen Spielraum für wohlgeformte, regelmäßige Anschlüsse. An jeder Sequenzstelle eines Handlungsverlaufs wird also einerseits aus den Anschlußmöglichkeiten, die regelmäßig durch die vorausgehenden Sequenzstellen eröffnet wurden, eine schließende Auswahl getroffen und andererseits ein Spielraum zukünftiger Anschlußmöglichkeiten eröffnet." Oevermann (2000), S. 64

"Die Sequenzanalyse rückt (...) in den Mittelpunkt die analytische Differenz und den Kontrast zwischen dem der empirischen Wirklichkeit selbst angehörigen Spielraum von Möglichkeiten (erzeugt durch Parameter I) und den faktisch getroffenen Auswahlen, die als Entscheidungen der je handelnden Praxis angesehen werden können." Oevermann (2000), S. 130

"Die Sequenzanalyse erst ermöglicht es dem Strukturanalytiker, sich von der Perspektivenübernahme (der zu analysierenden Praxis/Lebenspraxis, T.L.) analytisch unabhängig zu machen, indem jede Sequenzstelle als potentiell krisenhafte Entscheidungsstelle grundsätzlich gesehen werden muß, weil an jeder Sequenzstelle eine Zukunft von Möglichkeiten sich öffnet." Oevermann (2000), S. 132

"Für die Sequenzanalyse, der die Krise zum Normalfall wird, ist jede Sequenzstelle die Stelle eines 'kleinen Todes', insofern dort durch erzwungene, wenn auch faktisch routinehafte Auswahl Möglichkeiten unwiederbruinglich ausscheiden." Oevermann (2000), S. 133 


 

Soziale Wirklichkeit

"Soziale Wirklichkeit außerhalb von Protokollen ist methodologisch nicht greifbar." Oevermann (1986), S. 47

"Die Vorstellung von einer außerhalb von Protokollen sich zeigenden, gewissermaßen ganz 'natürlichen' unbeobachteten Wirklichkeit ist von vornherein sinnlos. Der Sozialwissenschaftler ist also von vornherein innerhalb der textförmig protokollierten sozialen Wirklichkeit 'gefangen', aus ihr kann er sich methodologisch nicht herausbegeben." Oevermann (1986), S. 47


 

Sparsamkeitsregel

"Nach den Regeln der Kunst (der objektiven Hermeneutik, T.L.) ist man angehalten, die Äußerungen solange wie möglich mit der Unterstellung eines vernünftigen, sprachkompetenten und sich seiner Äußerungen bewußten Subjekts zu interpretieren. Es ist für ein nicht zirkulär vorgehendes Verfahren von grundlegender Bedeutung, bei der Generierung von Lesarten nicht Sonderbedingungen als geltend zu unterstellen, sondern - soweit wie möglich - nur solche 'normalen' Situationen und Kontexte einzuführen, die für das Verständnis des Textes notwendig sind. Diese 'Sparsamkeitsregel' bedeutet auch, auf das Wissen über den 'realen' empirischen Kontext, in der die Äußerung gefallen ist, zu verzichten und Spezifika, etwa 'Pathologien', nicht ohne vom Text zu deren Annahme gezwungen zu sein, als gegeben anzunehmen; denn erst auf der Folie unterstellter Wohlgeformtheit gewinnt das Besondere seine charakteristische Gestalt, die dann als rekonstruktiv nachgewiesen und nicht von außen herangetragen gelten kann." Leber / Oevermann (1994), S. 228 f.



Stellvertretende Krisenbewältigung

".. in jeder professionalisierten bzw. professionalisierungsbedürftigen Handlungspraxis geht es letztlich um stellvertretende Krisenbewältigung für den Klienten. Zwar ist die Bedingung dieser Krisenbewältigung in einem gemeinsamen Arbeitsbündnis, daß der Klient selbst eine Lebenskrise als von ihm selbst nicht lösbar empfindet (Leidensdruck), und insofern handelt es sich um eine Krise, die auch für die betroffene Lebenspraxis selbst manifest ist. Aber zu ihrer Bewältigung gehört es, daß routinehafte Handlungsmuster des Klienten problematisiert und aufgebrochen werden auf der Folie eines Krisenkonzepts, das über die subjektive Krisenempfindung des Klienten hinausgeht." Oevermann (2000), S. 135



Struktur- und Prozessbegriff

"Der Strukturbegriff der objektiven Hermeneutik bezieht sich auf die Fallstrukturgesetzlichkeit je konkreter, individuierter Gebilde und er ist empirisch-material erst gefüllt, wenn über die Sequenzanalyse mindestens eine Phase der Reproduktion oder Transformation der Fallstruktur lückenlos rekonstruiert worden ist, die dann systeamatisch falsifikatorisch überprüft werden kann. Struktur und Prozeß fallen hier also nicht aus-, sondern ineinander." Oevermann (1993), S. 254


 

Strukturgeneralisierung

"Vereinfacht ausgedrückt wird darunter der Erkenntnismodus verstanden, aus der detaillierten, unvoreingenommenen, nicht vorn vornherein selektiv verfahrenden Betrachtung eines Einzelereignisses oder Einzeldings dessen allgemeine Struktureigenschaften zu erschließen." Oevermann (2000), S. 117 


 

Subsumtionslogisches Vorgehen

"Das subsumtionslogische Vorgehen ist gegenüber dem rekonstruktionslogischen vor allem eines, das die Wirklichkeit von vornherein unter dem selektiven, vorfilternden Gesichtspunkt des Bekannten, der Standardisierung, des Musterhaften, kurzum: der Routine betrachten muß und auch nur betrachten will." Oevermann (2000), S. 149   


 

Totalitätsprinzip

"Das Totalitätsprinzip: Welches Protokoll auch immer analysiert wird - für den zur Sequenzanalyse ausgewählten Protokollabschnitt gilt grundsätzlich, daß darin alles, d.h. jede noch so kleine und unscheinbare Partikel, in die Sequenzanalyse einbezogen und als sinnlogisch motiviert bestimmt werden muß. Es darf nichts durch eine Vorselektion der Fragestellung her ausgelassen werden, weil es angeblich nicht von Bedeutung sei. Über die Relevanz eines Datenmaterials ist bei der Auswahl des Falles und des ihn verkörpernden Protokolls zu entscheiden. Die Sequenzanalyse des gewählten Protokolls muß dagegen unselektiv total sein." Oevermann (2000), S. 100 f.


 

Umfang des Datenmaterials

"Grundsätzlich stellt sich die Frage des methodisch nötigen Umfangs des Datenmaterials in der Sequenzanalyse der objektiven Hermeneutik vollständig anders als in der gewohnten subsumtionslogischen Foschung, vor allem der quantifizierenden. NichtRepräsentativität der Merkmalsträger- bzw. Ereignisauswahl und das daraus resultierende Bestreben nach hinreichend großer Stichprobe ist hier entscheidend, sondern die Authentizität des zu analysierenden Protokolls als einer Ausdrucksgestalt der unter theoretischen (oder praktischen) Aspekten interessierenden Fallstruktur." Oevermann (2000), S. 79

"..das forschungspraktische Problem besteht nicht so sehr darin, wie zumeist angenommen wird, über zu wenig umfangreiches Material zu verfügen, als es genügend zu begrenzen. Analoges gilt für den Umfang der Auswahl für die detaillierte Auswertung in der Sequenzanalyse." Oevermann (2000), S. 80 


 

Vermeidung von "äußerem Kontext" bei der Sinnerschließung

"Den beiden Prinzipien von Totalität und Wörtlichkeit fügt sich das der Vermeidung von 'äußerem Kontext' bei der Sinnerschließung. Die Einbeziehung von 'äußerem Kontext', also von fallspezifischem Vorverständnis und Vorwissen, läuft nämlich darauf hinaus, einerseits Lesarten zuzulassen, die in Verletzung des Wörtlichkeitkeitsprinzips vom konkreten Text nicht erzwungen, weil in ihm nicht markiert und lesbar sind, und andererseits in Verletzung des Totalitätsprinzips Lesarten vorzeitig auszuscheiden, die zwar vom Text selbst erzwungen, aber von den äußeren konkreten Kontextbedingungen pragmatisch nicht erfüllt werden." Oevermann (2000), S. 104


 

Wörtlichkeitsprinzip

"Das Wörtlichkeitsprinzip: Während das Totalitätsprinzip vorgängige selektiv wirkende Beschränkungen der Datenanalyse auflösen soll, richtet sich das Wörtlichkeitsprinzip umgekehrt auf die Einhaltung von Beschränkungen. Es soll dazu anhalten, nur das in die Rekonstruktion von sinnlogischen Motivierungen einfließen zu lassen, was auch tatsächlich im zu analysierenden Text bzw. Protokoll lesbar oder - bei nicht-sprachlichen Ausdrucksgestalten - wahrnehmbar, das heißt: hörbar, sichtbar, fühlbar, riech- oder schmeckbar markiert und deshalb vom Text 'erzwungen' ist. Komplementär dazu sind alle Lesarten verboten, die zwar mit einer Ausdrucksgestalt kompatibel sind, aber nicht in ihr markiert und deshalb nicht von ihr erzwungen sind."  Oevermann (2000), S. 103

 

 

Literaturnachweise

Leber, M. (1994): Objektiv-hermeneutische Analyse einer Sequenz aus der vierzehnten Stunde einer psychoanalytischen Kurztherapie, in: M. B. Buchholz / U. Streeck (Hg.): Heilen, Forschen, Interaktion. Psychotherapie und qualitative Sozialforschung. Opladen, S. 225-259

Oevermann, U. (1986): Kontroversen über sinnverstehende Soziologie. Einige wiederkehrende Probleme und Mißverständnisse in der Rezeption der 'objektiven Hermeneutik', in: S. Aufenanger / M. Lenssen (Hg.): Handlung & Sinnstruktur. Bedeutung und Anwendung der objektiven Hermeneutik. München 1986, S. 19-83

Oevermann, U. (1993): Struktureigenschaften supervisorischer Praxis, in: B. Bardé / D. Mattke (Hg.): Therapeutische Teams. Theorie - Empirie - Klinik. Göttingen / Zürich S. 141-169

Oevermann, U. (1996): Beckett's Endspiel als Prüfstein hermeneutischer Methodologie. Eine Interpretation mit den Verfahren der objektiven Hermeneutik (Oder: Ein objektiv-hermeneutisches Exerzitium), in: H.-D. König (Hg.): Neue Versuche, Becketts Endspiel zu verstehen. Sozialwissenschaftliches Interpretieren nach Adorno. Frankfurt am Main, S 93-249

Oevermann, U. (1997 a): Literarische Verdichtung als soziologische Erkenntnisquelle: Szenische Realisierung der Strukturlogik professionalisierten ärztlichen Handelns in Arthur Schnitzlers Professor Bernhardi, in: M. Wicke (Hg.): Konfigurationen lebensweltlicher Strukturphänomene. Soziologische Varianten phänomenologisch-hermeneutischer Welterschließung. Opladen, S. 276-335

Oevermann, U. (1997 b): Theoretische Skizze einer revidierten Theorie professionalisierten Handelns, in: A. Combe / W. Helsper (Hg.): Pädagogische Professionalität. Untersuchungen zum Typus pädagogischen Handelns. Frankfurt am Main, S. 70-182

Oevermann, U. (2000): Die Methode der Fallrekonstruktion in der Grundlagenforschung sowie der klinischen und pädagogischen Praxis, in: K. Kraimer (Hg.): Die Fallrekonstruktion. Sinnverstehen in der sozialwissenschaftlichen Forschung. Frankfurt am Main, S. 58-156

Oevermann, U. (2003): Der Stellenwert der objektiven Hermeneutik in der klinischen Forschung und Praxis (Vortrag auf dem Symposium zum 65. Geburtstag von Hans Bosse), Ms. 

Oevermann, U. (o.J.): Brauchen wir heute noch eine gesetzliche Schulpflicht und welches wären die Vorzüge ihrer Abschaffung. Ms. (32 S.)

 

 

                                                                                                                                                                                  

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